Die Freiwillige Feuerwehr Rätzlingen wurde am 12. Juni 1892 gegründet.
zurzeit 84 Mitglieder.
Zum 31.12.2008 hat dieRätzlinger Wehr 36 aktive Feuerwehrmänner und
Feuerwehrfrauen, 15 Kameraden in der Altersabteilung und 33 fördernde Mitglieder.
(Stand: 15.12.2008)

Das Bild zeigt die Mitglieder der Wehr am 02.02.2008, die sich vor dem Gerätehaus versammelt haben.
Die Aufgaben einer Feuerwehr werden standardmäßig knapp mit
den vier Worten "Retten-Löchen-Bergen-Schützen" beschrieben. Bei der
Feuerwehr Rätzlingen ist danach aber noch lange nicht Schluss. In unserem recht
kleinen Dorf mit etwa 500 Einwohnern übernehmen wir viele zusätzliche Aufgaben.
Diese reichen von der Ausrichtung vieler geselliger Veranstaltungen (z.B. dem
jährlichen Fischfest, Maifeier, Osterfeuer, Laternenumzug) der Pflege des schöngelegenen
Dorfteiches bis hin zu den regelmäßigen Übungsabenden der Wehr. Damit hoffen
wir zur Erhaltung und Förderung der Dorfgemeinschaft beizutragen und so auch
ein wenig Werbung für neue Mitglieder zu machen.
Diese Seiten sollen einen Überblick über das Leben in und mit der Feuerwehr
Rätzlingen geben und natürlich auch zum Mitmachen animieren. Neben Informationen
über die Gruppen, die Fahrzeuge und technisches Gerät wird auch die Entstehungsgeschichte
unserer Wehr betrachtet.
Die Wehrgeschichte
Häuser mit Strohdach waren in früheren Zeiten vor allem auf
dem Lande der Gefahr eines Brandes ausgesetzt. Die typischen Niedersachsenhäuser
hatten keinen Schornstein, denn der Rauch des offenen Herdfeuers zog durch das
Stroh des Daches ab. In ungünstigen Fällen konnte es geschehen, dass Funken
bis an das Strohdach flogen und es in Brand setzten. Zudem schlug der Blitz
in ländlichen Gebieten wesentlich häufiger in Gebäude ein als in Städten. Ein
Blitzschlag in ein Strohdachhaus führte meist zu Totalverlust. Löschhilfe durch
die Männer des Dorfes sowie das Bereithalten von ledernen Wassereimern waren
somit seit langem Pflicht in den Dörfern. Um nötigenfalls das Strohdach einreißen
zu können, gehörten auch Stangen mit eisernen Haken zur Brandschutzausrüstung.
In Rätzlingen hatte es im 19. Jahrhundert mehrere große Brände gegeben. Weil
man aber mit Löscheimern und Feuerhaken allein gegen die Macht des Feuers nicht
viel ausrichten konnte, entschloss sich die Gemeinde Rätzlingen 1870 eine Handdruckspritze
der Uelzener Firma Herholz anzuschaffen. Mit ihr war mehr Wasser aus Brunnen
zur Brandstelle zu schaffen als mit der bis dahin üblichen von Hand zu Hand
gehenden "Eimerkette".
Weitere Feuersbrünste im Dorfe führten dann jedoch zu der Erkenntnis, dass mit
der Neuerung auch eine verbesserte Ausbildung der Männer für die Brandbekämpfung
einher gehen müsste. Das war mit der bisherigen Pflichtfeuerwehr nicht zu machen.
Wie auch andernorts kam der Gedanke auf, eine neu zu organisierende Freiwillige
Feuerwehr zu gründen. Vor allem der Rätzlinger Lehrer Gustav Nottbohm setzte
sich dafür ein, dass diese Idee verwirklicht wurde. Für den 12. Juni 1892 wurden
die Männer des Dorfes in das Gasthaus Schröder zur Gründung einer Freiwilligen
Feuerwehr eingeladen. Von gut 400 Einwohnern erschien die erfreulich große Anzahl
von 65 Räzlingern. Lehrer Nottbohm informierte ausführlich über den Zweck und
das Wesen einer Freiwilligen Feuerwehr. In seinem bis heute vorhandenen Protokoll
"Geschehen Rätzlingen den 12. Juni 1892..." schreibt Nottbohm nach
Aufführung der Namen aller 65 beigetretenen Bürger unter anderem: "Nachdem
der Lehrer Nottbohm einem Vortrag Zweck und Wesen einer Freiwilligen Feuerwehr
dargelegt hatte, erklären sämtliche Anwesenden durch Namensunterschrift ihren
Zusammentritt zu der Freiwilligen Feuerwehr Rätzlingen". Dieselbe war damit
gegründet. Lehrer Nottbohm arbeitete danach die Statuten aus, die er am 3. Juli
1892 den Feuerwehrmännern zur Unterschrift vorlegte. Nach 2 war beispielsweise
Ortseingesessenen, die der 18 Jahre alt sind und einen guten Ruf haben, der
Eintritt nicht zu verweigern. Der erste Hauptmann war bis 1897 Gemeindevorsteher
August Burmester, Johann Perau sein Vertreter. Eine Sirene gab es damals natürlich
noch nicht, darf eilten bei Feueralarm der Anbauer Friedrich Schulz und der
Haussohn H. Hennings laut auf ihren Feuerhörnern blasend durch das Dorf. Erst
1950 löste das Heulen einer Sirene die Tätigkeit der Hornisten ab.
Das zehnjährige Bestehen. Der Freiwilligen Feuerwehr im Jahre 1902 wurde am
13. Juli besonders gefeiert. Aus diesem Anlass war etwas besonderes beschlossen
worden, nämlich die Einkleidung der Männer in neue Uniformen. Schneidermeister
Müller war bereit gewesen für einen Nählohn von 2,40 Mark die Uniformröcke anzufertigen.
Ein Meter Stoff kostete 4,30 Mark. Eine Anschaffung, die bei den damaligen Löhnen
nicht allen leichtgefallen sein dürfte, doch für ihr Dorf haben die Männer gern
gegeben. Eine Aufstellung der Einsätze mit der Handdruckspritze von 1870, auch
bereits durch die Pflichtwehr, nennt bis 1902 fünf Brände.
Eine große Katastrophe für das Dorf ist dabei, nämlich die Brandstiftung vom
15. Juli 1883, durch die vier Wohnhäuser und sieben Ställe vernichtet wurden.
Um 12.30 brach das Feuer aus. Man stelle sich die Panik vor, in der neben den
Löscharbeiten versucht wurde, aus den brennenden Gebäuden zu retten was zu retten
war, allem vorweg das Vieh.
Bei weiteren elf größeren Bränden, hauptsächlich in benachbarten Ortschaften,
kam die Handdruckspritze bis 1939 noch zum Einsatz und wurde dann in den Ruhestand
verabschiedet. 50 Jahre später wurde sie mit sehr viel Mühe und in anstrengender
Kleinarbeit vollständig restauriert und sieht seit dem wieder aus wie eben vom
Hersteller ausgeliefert.
Kurz vor dem fünfzigjährigen Jubiläum, das im Kriegsjahr 1942 nicht besonders
begangen wurde, erhielt die Wehr am 19. Mai ihre erste Magirus-Motorspritze
TS 8/8 mit Anhänger. Dieser Typ leistete 800 l/min. Bei Bränden nach Luftangriffen
kam sie 1944 in Uelzen zum Einsatz. Nach dem Kriege konnte sich die Freiwillige
Feuerwehr Räzlingen der mehrere Verbesserungen sowohl in der Ausrüstung als
auch bezüglich der Gebäude freuen. 1956 gab es einen neuen Anhänger und zwei
Jahre später auch eine neue TS 8/8. Eine weitere Aufwertung erfuhr die Wehr
1966 mit dem Löschgruppenfahrzeug LF 8 Opel Blitz sowie 1977 mit dem zusätzlichen
Schlauchwagen. Das erste LF 8 wurde nach 24 Jahren Dienstzeit 1990 durch ein
Fahrzeug neuester Ausführung LF 8 Iveco Magirus ersetzt.
Bauliche Veränderungen gab es 1953 mit einem Neubau Gerätehaus nebst Schlauchturm.
Dieses Gerätehaus wurde mit 2 Einstellgaragen versehen und diente der als Unterkunft
des Löschfahrzeugs LF 8 und des Schlauchwagens SW 1000. Es wurde ausschließlich
mit Eigenleistung erstellt. Und weil auch das mit der Zeit nicht mehr ausreichte
und den neuen Bestimmungen auch nicht mehr entsprach, musste ein geräumigeres
erstellt werden. Dieses neue Gerätehaus mit Schulungsraum konnte in kürzester
Zeit wiederum mit viel Eigenleistung durch die Kameraden der Wehr 1997 bezogen
werden konnte. Die Männer der Feuerwehr Rätzlingen sind aber nicht nur einsatzbereit,
wenn der "Rote Hahn" auf dem Dach sitzt, nein, sie greifen auch helfend
ein, wenn die Dorfgemeinschaft ein Fest feiert oder andere Gemeinschaftsarbeiten
zu erledigen sind. Ebenso erfreuen sich das Osterfeuerfeuer und die Maifeier
großer Beliebtheit. Am zweiten Oktoberwochenende jeden Jahres wird ein großes
Fischfest am Rätzlinger See veranstaltet.
Aber auch unsere alten Kameraden wussten Feste zu feiern. Und von einer solchen
"Festarbeit", dem Kopfwurstessen mit den Hanstedter Kameraden, wurde
auch mal frohgelaunt nächtlich per Trecker und Anhänger zum Feuerwehrfest nach
Molzen gefahren. Mit von der Partie, die an einem Sonnabend begann, war auch
ein Feuerwehrkamerad, der zugleich Küster war. Der hatte den Schlüssel zur Rätzlinger
Kirche bei sich. Als ihm dann zu vorgerückter Stunde bewusst wurde, dass er
vor dem Gottesdienst noch die Kirche aufschließen musste, war "Holland
in Not". Kurzerhand wurde Die Frau eines Kameraden angerufen, die per Leichtmotorrad
den Schlüssel holte - gerade rechtzeitig, um vor dem Eintreffen der ersten Besucher
das Gotteshaus aufzuschließen...